Eine ästhetisch-medizinische Praxis spielt fachlich-rechtlich auf hartem Terrain. Heilmittelwerbegesetz, Berufsordnung, Wettbewerbsrecht — alle drei greifen gleichzeitig in jedes Wort auf der Website und in jedem Instagram-Post. Wer sauber arbeitet, zeigt das auch in der Art, wie er online kommuniziert. Hier sind fünf konkrete Signale, an denen Sie das in unter zwei Minuten erkennen können.
1 · Die Berufsbezeichnung ist exakt
In Deutschland gibt es keinen „Facharzt für ästhetische Medizin" — das ist keine vom Gesetzgeber anerkannte Facharztrichtung. Wer das auf der Website behauptet, hat entweder ein Compliance-Problem oder weiß es nicht besser. Beides ist ein Warn-Signal.
2 · Keine Vorher-Nachher-Bilder, keine Preis-Lockerungen
Wenn Sie auf der Website oder im Instagram-Feed Vorher-Nachher-Vergleiche sehen, „erste Lippen für nur 99 €"-Aktionen oder Gewinnspiele mit Behandlungs-Gutschein als Preis — dann läuft hier etwas nicht sauber. Diese drei Dinge sind verboten (§ 7 + § 11 HWG). Eine Praxis, die das ignoriert, ignoriert möglicherweise auch andere Sorgfaltspflichten.

3 · Off-Label-Hinweise sind sichtbar — nicht versteckt
Polynukleotide, Exosomen, PRP bei Haarausfall, bestimmte Filler-Anwendungen werden teilweise off-label angewendet. Das ist medizinisch völlig in Ordnung — aber rechtlich muss darauf hingewiesen werden. Eine seriöse Praxis setzt den Hinweis sichtbar auf die jeweilige Leistungs-Seite, nicht versteckt im Impressum.
4 · Bewertungen sind echt — und nachvollziehbar
Eine seriöse Praxis bindet echte Google-Bewertungen ein, mit Quelle. Anonymisierte Aussagen (Vorname + Initiale) sind ok, wenn die Patientin sich öffentlich geäußert hat. Was nicht ok ist: erfundene „typische" Aussagen ohne Quelle, gekaufte Reviews, oder volle Patientinnen-Namen ohne erkennbare schriftliche Einwilligung.
- Quelle der Bewertung ist erkennbar (z.B. „aus dem Google Business Profile").
- Anonymisierung ist konsistent — nicht mal Vorname + Initiale, mal voller Name.
- Keine Bewertungen mit medizinischen Versprechen drin („wirkt 100%", „garantiert").
- Kein Stock-Foto neben dem Namen, das aussieht wie ein generisches Influencer-Bild.
5 · Der Tonfall ist sachlich — nicht anpreisend
Die ärztliche Berufsordnung (§ 27 MBO-Ä) verbietet anpreisende, irreführende und vergleichende Werbung. Das ist auch fachlich richtig: niemand kann seriös garantieren, was bei Ihrem Gesicht passieren wird. Wenn der Texttonfall auf einer Praxis-Website wie aus einer Kosmetik-Marketing-Broschüre klingt — „revolutionär", „bahnbrechend", „garantiert" — dann passt da etwas nicht zur eigentlichen Profession.
Achten Sie auf den Konjunktiv: „kann verbessern", „möglicher Effekt", „Studien zeigen". Das ist nicht Schwäche im Versprechen, sondern medizinische Ehrlichkeit.
Schnell-Check zum Mitnehmen
Wenn Sie eine ästhetische Praxis recherchieren, gehen Sie diese fünf Punkte durch — auf der Website, in den Bewertungen, im Instagram-Profil:
- Berufsbezeichnung exakt — „Ärztin" statt „Fachärztin für Ästhetische Medizin".
- Keine Vorher-Nachher-Bilder, keine Lock-Preise, keine Gewinnspiele mit Behandlung als Preis.
- Off-Label-Hinweise sichtbar auf den entsprechenden Leistungs-Seiten.
- Bewertungen mit erkennbarer Quelle, sachliche Sprache, keine Heilversprechen.
- Tonfall sachlich, Konjunktiv bei Wirkungen — keine Garantien, keine Superlative.
Wenn auch nur einer dieser Punkte deutlich verfehlt wird, würde ich vorsichtig sein. Wenn alle fünf sauber sind, haben Sie eine Praxis vor sich, die ihr Handwerk ernst nimmt — auch da, wo nicht behandelt wird. Das ist meist auch ein guter Hinweis darauf, wie ernst sie das Handwerk im Behandlungszimmer nimmt.


